MVI Proplant ermöglicht die effiziente Produktion von Autos und anderen Fahrzeugen.

Die Fabrikplaner

Von Christina Lohner, ein Artikel aus der Braunschweiger Zeitung vom 14.2.2017

Wolfsburg. Damit aus Blech das neue Auto wird, das ein Kunde bestellt hat, muss gepresst, geschweißt, lackiert und montiert werden. Wie diese Abläufe optimal ineinandergreifen, erarbeitet MVI Proplant Nord. Während die Wolfsburger beim Start 1968 nur Volkswagen im Blick hatten, planen sie heute auch für andere Firmen aus der Mobilitätsbranche Fertigungsanlagen bis zur ganzen Fabrik. Kleine Anlagen und Software für die Steuerung liefern sie bei Bedarf gleich mit. 

Damit gehören sie nach eigenen Angaben zu den zehn größten Anbietern in Deutschland. „Wir bilden alles ab“, sagt Harald Scheder, der zusammen mit Markus Schick die Geschäftsführung bildet: von der Gebäudehülle über die Produktionsanlagen bis zu den logistischen Abläufen. Die Kunden hätten selbstverständlich eigene Kompetenzen in dem Bereich, allerdings nicht immer genügend Planungskapazitäten. Schließlich bauen sie nicht alle Tage neue Fabriken. 

Zurzeit plant MVI Proplant zum Beispiel die Produktion des Elektro-Porsche mit. Der VW Konzern mit seinen verschiedenen Marken ist nach wie vor der Hauptkunde. Rund 60 Prozent des Umsatzes machen die Wolfsburger mit der Kernmarke VW. Aber auch für BMW, Daimler oder Opel arbeiten sie – von der Massenproduktion bis zur Manufakturfertigung. Vom Bugatti Chiron werden laut Scheder nur rund 500 Stück gefertigt. Zu den mehreren Hundert Kunden zählen außerdem Hersteller von Landmaschinen oder Gabelstaplern, aus der Chemiebranche oder seit kurzem aus der Luftfahrt. Denn auch MVI spürt die Diesel-Krise: Volkswagen vergebe Aufträge nun seltener extern, und der Kostendruck sei gestiegen. Deshalb wollen sich Scheder und Schick breiter aufstellen. 

Bisher hatte das Unternehmen in erster Linie die deutschen Autobauer im Blick: mit Standorten in München, Stuttgart, Ingolstadt, Neckarsulm und Bratislava. Um Arbeitsgenehmigungen für die Planung des VW-Werks in Chattanooga zu erhalten, gründeten die Wolfsburger außerdem eine Firma in Atlanta. In der Nähe produzieren auch andere deutsche Autohersteller. Nicht nur deshalb sind die insgesamt 350 Mitarbeiter – 180 arbeiten in Wolfsburg – viel auf Reisen. Die Aufträge kommen zwar vor allem aus Deutschland, neue Werke entstehen heute aber im Ausland, ob in Russland, Indien, Mexiko oder Brasilien. „In China schießen die Fabriken wie Pilze aus dem Boden“, berichtet Schick. 

Drei Jahre dauert eine Planung im Schnitt. Für Rolls-Royce beispielsweise sind zurzeit 16 Mitarbeiter im Einsatz. Während des Projekts stehen sie täglich in Kontakt mit dem Kunden. MVI Proplant übernimmt aber auch kleinere Aufträge wie etwa die Konvertierung von Daten. Die Auftragswerte liegen dementsprechend zwischen ein paar Tausend und zehn Millionen Euro. 2015 machte das Unternehmen damit 22 Millionen Euro Umsatz, davon blieben 653 000 Euro Gewinn. 

Den Schwerpunkt bildet die Fertigungsplanung, Ziel ist dabei die größtmögliche Effizienz. Dabei helfen 3-D-Programme, Prozesse werden simuliert. MVI Proplant empfiehlt auf dieser Basis bestimmte Technologien und übernimmt das Projektmanagement, koordiniert beim Bau etwa die Gewerke. Neben Neubauten plant die Firma auch bestehende Anlagen für neue Zwecke um, wie zum Beispiel ein altes VW-Werk in Brüssel für den Audi A 1. Die Ingenieure entwickeln außerdem individuelle Vorrichtungen für die Montage, Fördertechnik und Logistik, zum Beispiel zum Ausrichten von Lenkrädern oder maßgeschneiderte Transportwagen. 

Als Berater will Scheder auch Innovationen einbringen. Im Trend sind zurzeit Mixed-Reality- Brillen, mit denen sich zum Beispiel eine virtuelle Anlage in die Fabrikhalle projizieren lässt. „Wir programmieren die Software dazu.“ Ziel sei es, künftig mehr solche Komplettlösungen anzubieten, erzählt Schick: eine Idee samt Planung und am Ende einem Produkt. Das wünschten sich die Kunden immer mehr. 

Digitaler wird auch die Produktionsplanung. Anhand bestimmter Parameter wie Stückzahl oder Fahrzeuggröße lässt sich per Software etwa die Austaktung einer Fertigungslinie berechnen, die dann nur noch überprüft werden muss. Das spart jede Menge Zeit. Per Tablet können Produktionsmitarbeiter außerdem erfassen, wie ergonomisch sie arbeiten. Ein Programm erkennt zum Beispiel sofort, wenn ein Körperteil überlastet ist. MVI Proplant berät seine Kunden mithilfe dieser Daten, wie sich der Arbeitsplatz optimieren lässt. Gründer Julius Kiss aus München war nach Unternehmensangaben der erste in Europa, der technische Entwicklungen als eigenständige Leistung für Großunternehmen anbot. Früher – bis 2003 unter dem Namen IVM – gehörten noch klassische Autoentwicklungsleistungen zum Portfolio,etwa der Karosseriebau. Um zu zeigen, was sie können, entwickelten die Wolfsburger sogar ein ganzes Auto. 

Um weniger stark auf Fremdkapital angewiesen zu sein, gründete die Unternehmerfamilie später jedoch sechs eigenständige Gesellschaften, entlang der gesamten Automobil-Wertschöpfungskette. MVI Proplant ist eine davon, die anderen bieten unter anderem Fahrzeugerprobung oder IT-Lösungen an. Zusammen bilden sie die MVI Group mit insgesamt 1300 Mitarbeitern und Sitz in München. Gesellschafter sind die Kinder von Kiss. Ein Thema der Zukunft ist die Elektromobilität. Sie werde die Fabrikplanung erleichtern, erläutert Scheder. Denn E-Autos bestehen aus weniger Bauteilen, das Getriebe beispielsweise entfällt. Die Fertigung des Zinoro 1 E auf Basis des X 1 von BMW haben die Wolfsburger bereits geplant. Bald könnten Brennstoffzellen oder etwa synthetisches Gas dazukommen. Scheder: „Da wollen wir natürlich dabei sein.“